Winterwanderweg

Es klirrt und fröstelt, Schritte im Schnee,
auf der dünnen Decke, die sich auf die Gegenwart
legte, sie zu kühlen, zumindest
für einen Moment. So wärmt
wenigstens etwas die Kälte
mit jedem Schritt in diesem Zauberlicht.

So weit bist du weg, auf ewig?
So viele Jahre vergangene Präsenz,
so viele Texte aus deinem Herzen über-
setzt ins Digitale, so viele erhabene, so viele
ergreifende, so viele tiefgründige Zeilen
im Shutdown.

Gingen wir über dünnes Eis,
hielten wir einander fest,
knirschte der Schnee,
sähe ich deinen Atem
und deine strahlenden Augen,
die mich anschauen und zu mir sprechen,
eben diese Zeilen...

Lehnte ich mich an dich an,
spräche ich stumm mit dir,
unsere Lippen wilde Erdbeeren
mitten im Winter,
die Natur schenkt und
raubt uns alles.

Folgten wir einander
auf unbekannten weißen,
alten Pfaden,
keine Spuren sind zu sehen,
alles ist neu und frisch,
das Vergangene ist begraben,
es kratzt nur von unten an der Eisdecke.

Suchten wir das Glück,
das wirkliche, fänden wir es
an einem neuen Tisch,
erinnerst du dich?
Kratz, Kratz

Im Winter ist alles noch schöner
mit dir, also langsamer schöner,
und dadurch noch tiefer schöner.
Die dunkle Stille plötzlich schöner
und das Leben
auch.

Warum, verdammt, kehrte die weithin Richtende um? Oder blieb einfach stehen?
Was veranlasste Eurydike dazu?
Oder: Wer?

War es schöner mit Hades?

Dem Gesang, den sie schon kannte,
folgte sie nicht.
Da sie ihn schon kannte?

Vielleicht hatte sie genug
von dem Gesülze?
Für die schönsten Dinge
muss man nicht viel reden
oder singen?

Wir wissen es nicht.
Darüber steht nichts
in den alten Texten.

Verdammt.

Kratz. Kratz.

Ich sehe deine Spuren im Schnee,
der Herbst ist längst vergangen,
dein Körper ist das Gedicht,
das ich gerne schreiben würde,
dein Lächeln erhellende Verse,
in der trüben Zeit.

Ich sehe mich um,
neuer Schnee fällt langsam
auf den Winterweg,
ich sehe ihn rieseln,
und erahne ganz langsam,
warum sie
umkehrte.

Verdammt.